Kurioses und was sich 
sonst nicht durchsetzte

Kurioses und was sich sonst nicht durchsetzte

 

Seit dem Beginn des Sporttauchens wurden viele Versuche unternommen, neue Produkte zu entwickeln und bestehende weiterzuentwickeln. Hier nun eine kleine Übersicht über kuriose Konstruktionen

 

Masken:

Zu Beginn der Entwicklung von Tauchmasken hatte man Schwimmbrillen (Goggles), die von abgedichteten Fliegerbrillen und ähnlichem abstammten. Diese hatten zwei Probleme:

Zum Einen waren die beiden Glasflächen nicht parallel, was zum schielen/doppelsehen und Unwohlsein führte und es gab keine Möglichkeit zum Druckausgleich in der Maske, was zu Augenproblemen führte.

Um zumindest das zweite Problem zu lösen, wurden kleine Ballone an den beiden Hohlräumen befestigt. Bei grösserer Tiefe wurden diese komprimiert und die verdichtete Luft erhöhte den Druck im Hohlraum vor den Augen. Dies setzte sich nicht wirklich durch.

Ein zweiter Lösungsweg war vielversprechender: Man baute eine grosse Maske, die die Nase mit einschloß. Damit gab es keine Parallaxe mehr und man konnte durch die Nase in die Brille ausatmen. Der Druckausglich musste nun aber ohne Zudrücken der Nase (Schlucken o.ä.) erfolgen, da diese nicht mehr erreichbar war. Der Nasenerker folgte später.

Interessanterweise war wohl Hollywood der Grund für die Einführung von durchsichtigen Silikonmasken. Bei den Film- und Fotoarbeiten kam mit den alten Gummimasken einfach zu wenig Licht auf das Gesicht der Schauspieler, weshalb man nach einem Ausweg suchte und ihn in durchsichtigem Silikon fand.

 

Schnorchel:

Zu Beginn des Tauchens waren die Schnorchel recht oft sehr dünn und teilweise auch in die Maske integriert. Um die Schnorchel beim Abtauchen trocken zu halten wurden dann die absonderlichsten Abdichtfunktionen entwickelt – es gab Abdichtungen über Bälle in Körben und klappbare Dichtschwimmer. Die Krönung war dann die Maske mit 2 dichtenden Schnorcheln.... Auch bei Atemreglern wurde gelegentlich ein Schnorchel mit eingebaut – so zum Beispiel bei dem ersten Einschlauchregler von U.S. Divers. Als weitere Komfortmerkmale gab es Schnorchel mit Faltenschläuchen und Ventilen. Von diesen wurde bald abgeraten, da sich in den Faltenschläuchen das Wasser sammelte und schwer zu entfernen war und die Ventile nicht so recht dicht waren. Interessanterweise funktioniert das heute sehr gut und genau diese Features machen heute einen guten Schnorchel aus.

 

Flossen:

Die ersten verbreiteten Flossen wurden von Commandante de Corlieu in Frankreich entwickelt – ein recht einfaltsreicher Erfinder, der noch manch anderes auf den Weg brachte. Diese ersten Flossen hatten ein geschlossenes Fussteil mit festem Flossenband. In den USA erfand Churchill kurz danach auch eine Flosse, nur um festzustellen, dass Corlieu bereits ein weltweites Patent hatte. So musst Churchill als Patentnehmer produzieren... Die Corlieu-Flossen wurden unter anderem auch von Barakuda vertrieben. Diese sicherten sich die alleinige Lizenz für Deutschland.
Später kamen dann die Flossen mit geschlossenem Fussteil und danach die mit einstellbarem Flossenband.

Beuchat hatte eine Flosse entwickelt, die dann von Gustav dalla Valle zum Vertrieb über Scubapro auf dem amerikanischen Markt verkauft werden sollte. Der Vertriebschef von Scubapro – Dick Bonin – soll, als er die zum ersten Mal sah, gesagt haben, er habe noch nie eine so hässliche Flosse gesehen. Man hatte auch nicht viel Hoffnungen auf Verkauf und präsentierte die den Händlern. Komischerweise kamen dann so langsam die Orders und das Teil entwickelte sich zum absoluten Megaseller. Keiner bei Scubapro hatte die Flosse bis dahin ausprobiert! Aus dem ganzen wurde einer der meistverkauften Artikel von Scubapro – der Name: Jetfin!
Später wurden dann recht skurile Flossen entwickelt:

US-Divers/La Spirotechnique brachten eine Flosse mit steckbarem Flossenblatt - so konnte der Fussteil als Schuh benutzt werden.
Watergill war eine sehr innovative Firma (Siehe auch AT-Pack, Failsafe-Regulator), die auch eine neue Flosse entwickelte: Das Flossenblatt war vom Fussteil getrennt und über Metallklammern verbunden.
Farallon entwickelte eine orthopädische Flosse mit einem Kraftübertragungs system, das am Unterschenkel befestigt wurde.

Automaten:

Ein Vorläufer des Sporttauchgeräts war Ohgushis Peerless Regulator – Ein Atemgerät bei dem der Taucher durch das Beissen auf das Mundstück die Atemluft freisetzte. Das dürfte sich nicht besonders toll auf die Kaumuskulatur ausgewirkt haben. Wurde lokal – auch beim Militär – eingesetzt, konnte aber nicht gegen die Helmtaucher ankommen.

Der Explorer von Pirelli war eine recht seltsame Konstruktion. Näheres kann man unter http://www.seveke.de/tauchen/altes/1pirelliexplorer.htm sehen.

Das Delphin II von Dräger/Barakuda 1953: Es handelt sich hier um einen Pendelatmer bei dem nur ein Faltenschlauch für Einatmung und Ausatmung da war. Das war damals das Volkstauchgerät schlechthin und wurde bis in die Mitter der 60er verkauft. Die Tauchtiefe wurde laut Herstelle auf 13 Meter beschränkt. Zu beachten war, dass man wegen der Pendelatmung erst einmal ca. ½ Liter verbrauchte Luft einatmete, bevor dann neue Luft hinterher kam.

Der balancierte Standardkolben: Im Jahre 1965 brachte Scubapro einen neuen Atemregler, den MK 1. Zeitgleich wollte Healthways einen baugleichen Regler mit eingebauter Reserveschaltung unter dem Namen "Scubair + B" auf den Markt bringen. Diese Regler basierten auf einem modifizierten Standardkolben des erfolgreichen MK 2. Leider stellte sich heraus, dass der Kolben in geschlossenem Zustand stecken bleiben konnte. Das käme dann einer abrupten Luftkappung gleich, was nicht wirklich gesund ist. Daher wurde die MK 1 noch im gleichen Jahr von Scubapro zurückgerufen und eingestampft – der Healthways-Regler kam gleich gar nicht auf den Markt. Der daraufhin herausgebrachte neue MK 1 war dann der Urahn der heutigen Kolbenregler von Scubapro und bauartähnlichen anderer Hersteller. Die Leistungsfähigkeit war um einiges höher und daher wurde der ursprüngliche Ansatz auch nicht mehr weiterverfolgt.

Der kolbengesteuerte Zweischlauchautomat: Im Jahre 1965 wollte Healthways einen neuen Typ der bewährten Zweischlauchregler herausbringen. Bisher waren alle Regler des Zweischlauchtyps auf Basis der alten Denayrouze-Roquayrol-Steuerung (auch verwendet im ersten Zweischlauchautomat von La Spirotechnique) membrangesteuert. Die Kolbensteuerung versprach eine neue Dimension der Leistungsfähigkeit. Leider kam dieser Regler – aus welchen Gründen auch immer – nie auf den Markt. Über die wirkliche Leistungsfähigkeit kann daher nur spekuliert werden...

Der Zweischlauch-Einschlauch-Regler von Demone: Von der amerikanischen Firma wurde ein sehr spezieller Automat gefertigt: Der Mark II war ein Einschlauchregler mit 2 angeschlossenen Mitteldruckschläuchen die zu einer ersten Stufe im Nacken führten. Die Ausatemluft wurde über Faltenschläuche, in denen die Mitteldruckschläuche drin waren, nach hinten geführt. Also ein Einschlauchregler mit Zweischlauchcharme. Setzte sich nicht durch und verschwand mit der Firma sehr schnell...

Der Atemregler mit eingebauter Reserve: In den 60er Jahren hatte sich die Reserveschaltung an Flaschenventilen schon etabliert, war aber nicht weit verbreitet. Damit der Taucher nicht auf dieses Feature verzichten musste, wurde diese einfach bei einigen Automaten eingebaut. Diese hiessen dann in der Regel "J". Es gab ganz unterschiedliche Systeme: Die manuelle Reserve, die automatische Reserve und die Audio-Reserve.

Der "fail-safe"-Automat von Watergill (später Seasports): Watergill entwickelte den absoluten Überhammer zum Thema Sicherheit. Der FSDS 100 hatte eine wirklich aussergewöhnliche Konstruktion: Er hatte zwei Kolben, so dass auch bei Defekt von einem Kolben der andere weiterarbeiten konnte. Zudem hatte der Anschluss für das Jacket eine kleines eingebautes Leck, das dafür sorgte, dass sich bei einem Aussetzen der Atmung von mehr als 7 Sekunden der Mitteldruck an diesem Anschluss erhöhte und somit langsam das Jacket aufgeblasen wurde. Eine echt seltsame Sache und sicher nichts für jedermann. Das Teil floppte und verschwand recht schnell vom Markt.

Die Zweite Stufe mit 2 Anschlüssen: Der Lungenautomat von Matter hatte 2 Anschluss-Schläuche für die zweite Stufe, war von der Konstruktion aber kein Zweischlauchautomat sondern eine Einschlauch. Dieser setzte sich nicht durch. Interessanterweise hatte Scubapro ab 1977 für kurze Zeit 2 Automaten im Programm, bei denen man das auch machen konnte und das auch im zugehörigen Manual so erwähnt wurde: Der Pilot und der AIR I. Man konnte hier 2 erste Stufen an 1 zweite Stufe anschliessen.

Jackets:

wird fortgesetzt.....